Die Produktivität eines Unternehmens entscheidet sich oft in ganz normalen Meetings.
Gerade jetzt, wo überall über KI gesprochen wird.
Denn auch wenn KI Prozesse beschleunigt und automatisiert:
Welche Aufgaben sie übernimmt, wie sie eingesetzt wird und wo ihre Grenzen liegen, das entscheiden Menschen.
Und diese Entscheidungen fallen selten allein. Sondern im Gespräch.
In Meetings.
Dort treffen Ideen aufeinander, dort werden Vorschläge geprüft, dort entsteht Fortschritt - oder dort wird Fortschritt verhindert.
Was dabei häufig übersehen wird:
Menschen kommunizieren unterschiedlich.
Ein Teil der Mitarbeitenden argumentiert sachlich, differenziert, inhaltsgetrieben.
Viele eher zurückhaltende Männer. Viele Frauen, auch solche, die durchaus selbstbewusst auftreten.
Was sie verbindet:
Sie setzen auf Argumente.
Nicht auf Status. Nicht auf Machtspiele.
Und genau hier beginnt das Problem.
Denn in vielen Organisationen läuft Kommunikation zumindest teilweise nach anderen Regeln.
Gerade dann, wenn Gruppen neu zusammenkommen oder Themen mit Bedeutung verhandelt werden.
Zu Beginn ist Kommunikation oft machtorientiert.
Einige klären zuerst Rang und Revier, bevor sie sich überhaupt auf Inhalte einlassen.
Das zeigt sich ganz konkret:
Teils arrogantes oder dominantes Auftreten, kürzere, zugespitzte Aussagen, anderen ins Wort fallen, klare Rangsignale.
Es geht in dieser Phase nicht nur um Inhalte, sondern auch darum, wer welchen Platz einnimmt.
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, verändert sich die Qualität des Gesprächs.
Dann können auch diese Personen sehr wohl differenziert, sachlich und inhaltsorientiert diskutieren.
Wer das nicht einordnet, zieht die falschen Schlüsse.
Viele inhaltsgetriebene Menschen – darunter viele Frauen und introvertierte Fachkräfte – steigen direkt auf der Sachebene ein.
Sie liefern Argumente, wägen ab, differenzieren.
Und wundern sich, warum sie nicht durchdringen.
Der Punkt ist nicht, dass ihre Argumente schlecht wären.
Sondern dass sie zu früh kommen.
Solange Rang und Revier nicht geklärt sind, werden Inhalte oft gar nicht richtig aufgenommen.
Wer in solchen Situationen keine Signale sendet, wird übersehen.
Oder nicht ernst genommen.
Das bedeutet nicht, sich zu verstellen.
Aber es bedeutet, die Spielregeln zu kennen.
Auch horizontal geprägte Menschen müssen zu Beginn eines Gesprächs Präsenz zeigen, Raum einnehmen, klare Signale setzen.
Nicht, um zu dominieren, sondern um überhaupt in die inhaltliche Diskussion zu kommen.
Ich sehe das regelmässig:
Fachlich starke Menschen wirken plötzlich unsicher oder zu wenig durchsetzungsfähig.
Frauen, die klar argumentieren, stossen auf flapsige Bemerkungen – und reagieren darauf mit noch besseren Argumenten, oder sie greifen zu moralischen Appellen ("Bleiben Sie doch bitte sachlich:").
Was verständlich ist. Nur: Es reicht oft nicht.
Das wird dann schnell falsch eingeordnet.
„Zu ruhig.“
„Zu wenig Führung.“
„Setzt sich nicht durch.“
Dabei liegt es nicht an der Kompetenz.
Sondern daran, dass zwei unterschiedliche Kommunikationslogiken aufeinandertreffen.
Für Unternehmen hat das spürbare Folgen:
Gerade bei der Einführung und Nutzung von KI:
Und darüber hinaus:
Leistungsträger ziehen sich zurück oder gehen.
Potenzial bleibt ungenutzt.
Die Fluktuation steigt.
Und für aussen wird das Unternehmen weniger attraktiv – gerade für gute Leute, die nicht über Lautstärke kommen.
Das ist kein Randthema.
Es betrifft Produktivität, Zusammenarbeit und am Ende auch Umsatz und Ergebnis.
Dort, wo Unternehmen diese Unterschiede erkennen, verändert sich etwas.
Auch im Umgang mit KI:
Und die Leistung, die eigentlich schon da ist, kommt endlich zum Tragen.
Am Ende entscheidet nicht die Technik allein.
Sondern die Qualität der Gespräche, in denen über sie entschieden wird.