Das Mehrabian-Missverständnis

Der Mythos hält sich hartnäckig. Seit über 50 Jahren erzählt man uns diese Geschichte: Unsere Kommunikation sei zu über 90% von Körpersprache und Stimme geprägt. Das gesprochene Wort mache nur lächerliche 7% aus.

Übertragen auf Reden und Präsentationen lautet der Rat vieler Kommunikationstrainer: "Was Sie sagen ist unwichtig. Hauptsache, Gestik, Mimik und Stimme passen, dann wirken Sie automatisch gut."

Das ist Unsinn.

Doch wie gelangt diese absurde Behauptung in die Welt?

Der Mythos basiert auf der falschen Schlussfolgerung einer Forschungsarbeit des Psychologen Albert Mehrabian. Dieser kam 1967 zum Schluss: Unsere Körpersprache prägt die Kommunikation zu 55%, die Stimme zu 38% und das gesprochene Wort zu 7%.

Nur:

Albert Mehrabian hat nicht untersucht, welchen Anteil Körpersprache, Stimme und gesprochenes Wort generell auf die Kommunikation haben, sondern inwieweit emotionale Kommunikation von diesen drei Faktoren geprägt ist. Also wenn es um Gefühle geht.

Wenn Sie zum Beispiel mit gepresster Stimme sagen "Diese Erdbeere schmeckt wunderbar" und dabei eine saure Miene ziehen, glaubt Ihnen niemand, dass Sie die Frucht geniessen. Die nonverbale Reaktion hat in diesem Fall mehr Gewicht.

Das war vereinfacht gesagt das Studienergebnis, dessen falsche Interpretation seit Jahrzehnten Menschen verunsichert, die auf Inhalte und Substanz setzen.

Halten wir also ein für alle mal fest: Die 55-38-7-Regel ist nicht haltbar als Grundregel für Kommunikation.

Vergessen sollten Sie sie allerdings keineswegs. Denn sie weist uns den Weg zu einer überzeugenden Kommunikation:

Wenn Sie Stimme und Körpersprache ganz bewusst einsetzen, erreichen Sie Ihr Publikum nicht nur rational, sondern auch emotional. Dadurch verstärken Sie die Wirkung Ihrer Worte und vergrössern die Chance, Ihre Zuhörer einzunehmen, um ein Vielfaches.

Fazit

Bei einer Rede geht es zuallerst um die Wahl der richtigen Worte, um Sprache. Nichts gegen eine gute Inszenierung, nichts gegen Körpersprache und eine trainierte Stimme. Doch in erster Linie sollten Sie Ihren Fokus auf Ihre Worte richten und nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Was am meisten zählt, ist, dass Sie etwas zu sagen haben: die Substanz Ihrer Rede spielt die zentrale Rolle.

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