2010 machte eine Studie Schlagzeilen: „Breitbeinig hinstellen, Hände in die Hüften, Brust raus, Kopf hoch!" Power-Posen sollten helfen, sich selbstbewusster und kompetenter zu fühlen. Angeblich senkten sie den Stresspegel und erhöhten den Testosteronspiegel.

Ein TED-Talk dazu wurde über sechzig Millionen Mal angesehen. Der Hype war gewaltig.
Doch bald kamen Zweifel auf. Die Testgruppe war zu klein. Die Ergebnisse waren nicht sauber abgesichert. Spätere Studien konnten die behaupteten Effekte nicht bestätigen. Die Wirkung der Power-Pose im engeren Sinn gilt heute als wissenschaftlich nicht belegt.
Unabhängig von „Machtposen" zeigen viele Studien: Wie Sie sich halten, beeinflusst, wie Sie sich fühlen. Wer die Schultern hängen lässt, fühlt sich klein. Wer aufrecht sitzt oder steht, signalisiert sich selbst: Ich bin da. Ich stehe zu mir.
Schon kleine Veränderungen der Haltung können spürbar wirken — auf Ihre Stimmung, auf Ihre Wirkung im Raum, auf die Art, wie andere Sie lesen.
Es geht nicht darum, sich gross zu machen. Sondern darum, sich nicht kleinzumachen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Power-Pose-Welle hat genau diesen Punkt verfehlt. Sie versprach Wirkung durch Demonstration: das aufgeplusterte Tier vor dem Spiegel, fünf Minuten vor dem wichtigen Termin. Das wirkt vor dem Spiegel vielleicht beruhigend. Aber es wird im Raum sofort als das gelesen, was es ist: eine angelernte Pose.
Was im Sparring tatsächlich trägt, ist subtiler. Beide Füsse fest am Boden. Schultern locker, nicht hochgezogen. Hände sichtbar. Atem ruhig. Blick offen. Kein Aufplustern, sondern eine ruhige, präsente Aufrichtung.
Körpersprache allein macht keine Autorität. Aber sie kann Ihre Wirkung deutlich verstärken — vorausgesetzt, sie ist kongruent mit dem, was Sie sagen und sind. Aufgesetzte Posen senden im Gegenteil das Signal „angestrengt". Und „angestrengt" ist das Letzte, was Sie im entscheidenden Moment signalisieren sollten.
Wer ruhig steht, weil er ruhig ist, wirkt. Wer ruhig zu stehen versucht, wirkt angestrengt.
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