Fünf Minuten - dann hat der CEO entschieden

5. Stock, Glaswand auf die Stadt, sieben Stühle um den Tisch. Mein Klient, nennen wir ihn Marc, steht am Beamer. Drei Monate Vorbereitung, 37 Folien, eine präzise durchdachte Empfehlung. Er beginnt: „Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, Ihnen heute …" — und der CEO unterbricht. „Kommen Sie zur Sache."

Nach vier Minuten ist die Sitzung für Marc gelaufen. Nicht weil der Inhalt schlecht war. Der Inhalt war gut. Sondern weil Marc die ersten Sätze so vorgetragen hat, als müsste er sich entschuldigen, hier zu stehen.

Wir sind das im Sparring später Sekunde für Sekunde durchgegangen. Sein Stand: leicht hinter den Tisch verschoben, Gewicht auf dem rechten Fuss. Die Stimme: ruhig, aber das Tempo zu hoch, die Atmung knapp. Die Hände: am Klicker geklammert, die linke versteckt. Vier Marker, vier Mal Tiefstatus. Und der CEO hat das nicht analysiert. Er hat es gespürt. Innerhalb von Sekunden.

Das ist die Wahrheit über Entscheidungen auf C-Ebene, die in der Vorbereitung gerne übersehen wird: oben trennt das Gegenüber nicht zwischen Inhalt und Wirkung. Es entscheidet auf das Gesamtbild. Und das Gesamtbild ist nach den ersten Sätzen gemacht.

Der CEO, von dem ich spreche, hat mir später gesagt: „Ich entscheide selten gegen ein Konzept. Ich entscheide gegen jemanden, dem ich nicht zutraue, das Konzept durchzuziehen. Wenn der Mann an seinen eigenen Zahlen zweifelt, zweifle ich auch." Er hatte die Detailkenntnisse nicht. Aber er hat den Mann gelesen.

Das passiert ständig. CEOs sitzen in fünf, sechs, sieben (oder mehr) Pitch-Terminen pro Woche. Sie können unmöglich in jeder Spezialdisziplin tiefer sein als die Person vor ihnen. Was sie können, und worin sie geübt sind, ist die Person zu lesen. Die eigentliche Bewährungsprobe ist nicht das Konzept. Es ist die Frage, ob die Person im Raum trägt, was sie sagt.

Marc kannte sein Konzept im Schlaf. Er hatte für jede Rückfrage drei Backup-Folien. Was er nicht hatte: ein eingeübtes Standing für die ersten zwanzig Sekunden. Und genau dort fiel die Entscheidung.

Wer das verstanden hat, bereitet sich anders vor. Nicht weniger fachlich, sondern zusätzlich an der Wirkung. Wir gehen im Sparring den Dreischritt: Klären, was die ersten Sätze wirklich leisten müssen. Aufstellen, wie Stand, Atem, Tempo und Blick das tragen. Umsetzen, bis es unabhängig von der Tagesform abrufbar ist. Das ist keine Kosmetik. Das ist der Teil der Vorbereitung, der über alles andere entscheidet.

Eine Beobachtung noch, die in fast jedem Pitch-Sparring kommt: Sobald jemand merkt, dass er den Raum verloren hat, beginnt er, schneller zu reden und mehr zu erklären. Genau das falsche Mittel. Mehr Inhalt rettet einen verlorenen Status nicht. Er verschärft ihn. Wer das Standing zurückholen will, geht zuerst zurück in den eigenen Atem. Dann eine Pause. Dann ein Satz, kürzer als der davor. Erst dann hört das Gegenüber wieder zu.

Marc habe ich vier Wochen später wieder im Sparring gehabt, vor dem nächsten Termin. Diesmal stand er ruhig. Atmete einmal aus, bevor er begann. Sagte einen Satz, dann eine Pause. Der CEO hat ihn ausreden lassen. Das Konzept war übrigens praktisch dasselbe.

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