Wie Sie als Introvertierter am Arbeitsplatz besser kommunizieren

Es gibt Menschen, die meistern schwierige Gespräche und herausfordernde Dialoge mit scheinbarer Leichtigkeit.

Sie finden immer die richtigen Worte und kriegen die Kurve in jedem noch so herausfordenden Dialog. Selbst wenn ihr Gegenüber sich dem Gespräch entziehen möchte oder es gar offen ablehnt.

Die Kunst der Kommunikation scheint ihnen in die Wiege gelegt worden zu sein.

Mit anderen Worten: Sie lassen zwischenmenschliche Kommunikation so einfach wirken.

Weshalb es den Königsweg nicht gibt

Doch sie ist es nicht. Ein bestimmter Kommunikationsstil, die erfolgreiche Art eines Menschen, lässt sich nicht einfach nachahmen. Wir Menschen sind alle verschieden. Wie wir sprechen und wie wir dabei wirken, basiert im Wesentlichen auf unserer Identität. Auf unserer inneren Haltung.

Deshalb gibt es in der Kommunikation nicht den einen Königsweg.

In Wirklichkeit gilt: Übung macht den Meister! 

Kommunikation ist etwas, in dem man besser wird durch Tipps und durch Übung.

Als Kommunikationstrainer reicht es deshalb nicht, introvertierten Menschen ein paar generelle Kommunikationstipps zu liefern. Sie würden den individuellen Ansprüchen nicht gerecht.

Beispiel:

Wer eine Situation erst mehrfach durchdenkt, bevor er spricht, braucht andere Tipps als jemand, der einfach drauflos redet. Es macht daher durchaus Sinn, eigene Kommunikationstipps extra für Introvertierte zu generieren.

Warum diese Vorurteile uns nicht weiterbringen

Dabei sollten wir aber auch folgendes beachten: Genau so wie viele vereinfachende Urteile über Extrovertierte kursieren, neigen wir dazu, Introvertierte über einen Leisten zu schlagen. Weder sind wir allesamt weise Ratgeber noch Mauerblümchen, die sich vor allem und allen ausserhalb ihrer eigenen vier Wände fürchten.

Dagegen sind auch nicht alle Extrovertierten Meister der zwischenmenschlichen Kommunikation und nicht alle Introvertierten machen darin eine lausige Figur.

In diesem Artikel fokussiere ich auf einige Tipps für Introvertierte, die ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern und sich am am Arbeitplatz vermehrt in Szene setzen möchten.

#1 Zwingen Sie sich nicht, mehr zu sprechen als nötig

Viele Introvertierte, die ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern wollen, begehen eine Todsünde: Sie verbiegen sich und verleugnen ihr wahres Wesen!

Was ich damit meine: Sie ahmen das Verhalten Extravertierter nach, anstatt einen eigenen, wesensgemässen Kommunikationsstil zu entwickeln! Sie fallen der Vorstellung zum Opfer, sie müssten stets engagiert und bereit zum Gespräch scheinen, um bei der Arbeit wahrgenommen zu werden.

Doch als Introvertierter weiss ich selber: Bereits die Vorstellung solchen Verhaltens raubt mir (und Ihnen wohl auch) Energie und laugt mich aus....

Lassen Sie mich deshalb laut und deutlich schreiben:

DAS! MÜSSEN! SIE! NICHT! TUN!

Beteiligen Sie sich stattdessen dann an einem Gespräch, wenn Sie etwas Wertvolles beizutragen haben.

Üben Sie, dann etwas zu sagen, wenn es für Sie zählt.

Doch keineswegs müssen Sie mehr tun als das. Sie müssen nicht den extrovertierten Plauderer mimen, nur um wahrgenommen zu werden.

(Ich höre Sie erleichtert aufschnaufen ;-)

#2 Seien Sie kein passiver Zuhörer

Introvertierte gelten als gute Zuhörer. Und dies sei eine Stärke, kann man in vielen Ratgebern lesen. Es heisst sogar, «zuhören können» sei eine bewundernswerte Gabe. Und: Wer andern gut zuhöre, lege eine wichtige Basis, um erfolgreich zu sein.

Doch niemand sagt, WIE wir zuhören sollten!

Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied.

Weshalb:

Zum einen gibt es rein passives Zuhören. Darunter verstehe ich «Zuhören ohne Interaktion», also ohne dem Gesprächspartner nach dessen Wortbeitrag eine Antwort zu geben oder eine Replik auf das Gesagte.

Und genau das ist, was viele Introvertierte tun (und sich nicht bewusst sind, wie Sie dabei wirken):

Sie hören zu, verziehen dabei keine Miene (weil sie eben sehr konzentriert bei der Sache sind), verzichten auf jegliche Körpersprache und .... schweigen!

Sie hören rein passiv zu! 

Das Problem No 1 dabei: 

Wir sind uns nicht bewusst, dass wir auf extrovertierte Menschen weniger als gute Zuhörer (die wir zwar sind) sondern vielmehr als passiv und unnahbar wirken.

Das Problem No 2 (noch weit schlimmer):

Mit unserer unbewegten Miene gleich einer unbeschriebenen Leinwand kann es vorkommen, dass wir im Gegenüber alte Ängste wecken und uns negative Projektionen zuziehen!

Alles entfaltet eben eine Wirkung, ob wir es so wollen oder nicht.

Deshalb rate ich zu «aktivem Zuhören». Mit dieser «Methode» involvieren Sie sich als Zuhörer ins Gespräch. Sie hören zu, Sie verstehen und Sie antworten.

Der Trick dabei:

Sie übernehmen einen aktiven Part in der Kommunikation, brauchen jedoch selber gar nicht viel zu sagen!

Wie das geht: 

Stellen Sie Ihre aktive Gesprächsteilnahme unter Beweis, indem Sie Ihre Körpersprache einsetzen, zum Beispiel so:

  • Wenden Sie sich Ihrem Gesprächspartner zu
  • Blicken Sie ihm in die Augen (doch starren Sie nicht)
  • Nicken Sie ab und zu
  • Lächeln Sie oder runzeln Sie die Stirn (je nachdem, was passt)
  • langen Sie sich mit der Hand ans Kinn
  • lehnen Sie sich mal zurück oder platzieren Sie mal die Ellenbogen auf dem Tisch
  • quittieren Sie bei einem längeren Wortbeitrag ab und zu mit einem deutlichen «Ja», «Mhm» oder «ich verstehe»
  • Fragen Sie zwischendurch nach, sagen Sie z.B. «Könnten Sie in diesem Punkt noch etwas deutlicher werden?»

Dadurch wirken Sie engagiert und zeigen, dass Sie bei der Sache sind!

Mein Tipp: Setzen Sie sich zum Ziel, zum aktiven Zuhörer zu werden anstatt ausdruckslos und still dazusitzen.

#3 Glauben Sie daran, etwas zu sagen zu haben

Um besser zu kommunizieren, müssen Sie erst an sich selber glauben! Versöhnen Sie sich mit ihrem Temperament, rauchen Sie die Friedenspfeife mit Ihrem Wesen. Sie sind gut, so wie Sie sind! 

Selbstakzeptanz ist der Schlüssel zu einer überzeugenden Kommunikation, darüber habe ich in diesem Blogbeitrag geschrieben ;-)

Dies ist die Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten: 

Vertrauen Sie dem Fakt, dass Sie etwas Wertvolles zur Konversation beizutragen haben. 

Fürchten Sie sich nicht vor Zurückweisung oder davor, dass man Ihre Idee nicht gleich als genial erkennt. Das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist, dass Ihnen jemand sagt, dass er Ihre Idee nicht gut findet. Mehr nicht. Und weiter geht’s...

(Falls Ihre Kollegen jedoch unfair agieren, falls sie mehr als üblich Ideen verspotten oder darüber lachen, falls sich diese Leute sich also widerlich aufführen, wäre vielleicht ein Gang zur Personalabteilung angebracht. Weil dies nicht die richtige Art ist, sich zu benehmen.)

#4 Bereiten Sie Ihre Meetings vor

Wenn Sie sich nicht gewohnt sind oder sich nicht wohl dabei fühlen, vor anderen Menschen zu sprechen, bereiten Sie sich umso besser vor. Schreiben Sie auf, was Sie sagen möchten. Fangen Sie mit kleinen, kurzen Beiträgen an, getrauen Sie sich und üben Sie! Übung ist der Schlüssel!

Eine Alternative: Bringen Sie sich schriftlich ein. Wenn Sie die Agenda der Sitzung vorher kennen, können Sie einen wichtigen Beitrag schreiben und an der Sitzung verteilen. Oder nach der Sitzung per E-Mail.

#5 Stellen Sie sich Ihrer Kommunikationsangst

Nichtsdestotrotz:

Niemand kann Sitzungen oder Face-to-Face-Gespräche für immer vermeiden. Und nicht alles kann via Email oder Telefon erledigt werden. Falls Sie grosse Mühe haben, vor Leuten zu sprechen, dann stellen Sie sich Ihren Kommunikationsängsten. Nehmen Sie Ihren Mut zusammen und machen Sie einen ersten Schritt, um besser kommunizieren zu lernen, treten Sie einem Rhetorik-Club bei oder ziehen Sie eine Therapie gegen Ihre Ängste oder Schüchternheit in Betracht.

Fazit

Generelle Kommunikationstipps sind nicht unbedingt geeignet für Introvertierte. Denn zwischenmenschliche Kommunikation ist komplex und nicht alle Menschen haben die selben Bedürfnisse.

Wenn Sie eher introvertiert sind und Ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern möchten, rate ich Ihnen in erster Linie, ihr Wesen und Ihr Temperament zu akzeptieren (und zu lieben), versuchen Sie also nicht zum extrovertierten Plauderer zu mutieren.

Setzen Sie auf Ihre Stärken, etwa das gute Zuhören, doch machen Sie dies auf eine aktive Weise, die Ihrem Gesprächspartner Ihr Engagement auch aufzeigt. Glauben Sie an sich und daran, dass Sie etwas Wertvolles beitragen können, glauben Sie daran, etwas zu sagen zu haben!

Und falls Sie noch nicht so geübt sind, dann üben Sie! Nehmen Sie die Chancen wahr und bereiten Sie sich gut vor (auch eine Stärke Introvertierter)!

VIEL ERFOLG!  

PS. Wenn Sie lernen möchten, wie Sie ihre Gedanken und Ideen klar und prägnant ausdrücken, besuchen Sie meinen Blog unter https://www.retosollberger.com!

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