Weshalb das Vorstellungsgespräch kein Improvisationstheater ist (aber die perfekte Bühne für Introvertierte)

Als Introvertierter haben Sie gute Karten im Vorstellungsgespräch. Denn ein Jobinterview ist meist eine 1:1-Gesprächssituation mit klar definierten Rahmenbedingungen und recht vorhersehbaren Inhalten. Die gründliche Vorbereitung ist Ihr Schlüssel zum Erfolg. 

Der durchschnittliche Bewerber glaubt auch ohne Vorbereitung spontan das Richtige zu sagen. Er vertraut auf die Macht der Improvisation. Dass er sich dabei im Geplauder, in Phrasen und Gemeinplätzen verliert, entgeht ihm. 

Nicht jedoch dem geübten Interviewer. Der achtet genau darauf, wie ernst ein Bewerber das Gespräch nimmt. Ihm bleibt nicht unbemerkt, wenn sich ein Kandidat über die Bedeutung des persönlichen Kennenlernens keine Gedanken gemacht hat.

Werben Sie um Vertrauen

Der Interviewer registriert, wenn ein Bewerber zum Beispiel ...:

  • diplomatisch und unverbindlich anstatt prägnant und aussagekräftig antwortet
  • mit möglichst klugen Antworten Eindruck schinden will anstatt klipp und klar seine Eignung mit den wichtigsten Gründen zu untermauern
  • chronologisch seinen Werdegang runterbetet anstatt zu gewichten und seine schlüssige Geschichte zu erzählen

Umgekehrt wird der Interviewer Ihnen je länger je mehr vertrauen und Ihnen den Job zutrauen, wenn Sie handfeste Argumente für Ihre Eignung liefern und in Ihrem ganzen Auftritt unter Beweis stellen, dass Ihnen a) der Termin wichtig ist und Sie sich b) entsprechend auseinandergesetzt haben.

Stecken Sie die Asse in den Ärmel

Ein Vorstellungsgespräch ist eine ausserordentliche Stress-Situation. Halten Sie es aus, dass Sie eine kurze Zeit im Mittelpunkt des Interesses stehen. Sie müssen in der Lage sein, eine halbe bis zwei Stunden konzentriert und positiv über Ihr Tun und Lassen zu sprechen. Wenn Sie nicht händeringend nach Antworten suchen wollen, halten Sie sich an den legendären holländischen Showmaster Rudi Carrell:

«Man kann nichts aus dem Ärmel herausschütteln, was man vorher nicht hineingesteckt hat."

Die grössten Showstars sind Perfektionisten und Meister der akribischen Planung. Tun Sie es Ihnen gleich und machen Sie die gründliche Vorbereitung zum Schlüssel Ihres Erfolges.

Die Vorbereitungsphase ist die wichtigste Phase im Vorstellungsgespräch! 

Gehen Sie als erstes diese drei Schritte:

  1. Recherchieren Sie gründlich die Informationen zum Jobanbieter und versetzen Sie sich gedanklich in das Aufgabenbild. Stellen Sie sicher, dass Sie den Job richtig verstehen.
  2. Notieren Sie sich eigene Fragen, um bereit zu sein, wenn sich die Gegenseite erkundigt: "Haben Sie noch Fragen?".
  3. Vertiefen Sie sich in Ihren Lebenslauf und erarbeiten Sie eine Selbstpräsentation, in welcher Sie Ihre Kompetenz für diese Aufgabe sachlich und umfassend ableiten.

Präsentation braucht Übung

Der durchschnittliche Bewerber verwechselt oft Wissen mit Können. Sie aber wissen: Sie mögen noch so viele Bücher über das Bergsteigen gelesen haben, Sie werden trotzdem keinen Achttausender bezwingen können. Das schaffen Sie nur durch Training.

Stecken Sie Ihre ganze Kraft in die sorgfältige Vorbereitung. Sammeln und ordnen Sie, was der Rede über Ihre Eignung wert ist. Feilen Sie an Ihrer Geschichte, bis Ihr Vortrag kurz, knapp, spannend und in sich schlüssig ist. Üben Sie Ihre Präsentation, wie es jeder Profi vor einer wichtigen Vorstellung tut.  

Dadurch schaffen Sie eine hervorragende Grundlage, um Ihre Gesprächspartner mit Ihren leisen Mitteln, mit Intensität und einer starken Präsenz zu überzeugen. 

Proben bedeutet nicht Einstudieren im Sinne von Auswendiglernen. Sie sind weder ein Schauspieler noch brauchen Sie sich zu verstellen. Doch Sie stehen vor der Aufgabe, unter Druck in einem festgelegten zeitlichen Rahmen vor Publikum Ihre Informationen und Antworten zu liefern. Ihr Vorteil: es wird Ihnen niemand ins Handwerk pfuschen - Sie stehen alleine auf der Bühne.

Mein Tipp: Üben Sie das Vorstellungsgespräch mit dem Coach Ihres Vertrauens. Sie verkürzen und vereinfachen dadurch Ihre Vorarbeit.  

Weshalb Sie nicht über sich selber sprechen müssen

Je gründlicher Sie vorbereitet sind, umso besser können Sie Ihre Redezeit nutzen. Legen Sie offen, was Sie können und was Sie wollen. Versuchen Sie dabei stets, ihre fachliche Expertise einzubringen (dieser Blogbeitrag hilft Ihnen bei den Formulierungen). Sie sprechen dadurch weniger über sich als vielmehr über Ihre Leistungen und Ergebnisse, Ihr Wirken und Ihren Nutzen für den Stellenanbieter.

Gehen Sie bei Ihren Ausführungen davon aus, dass Ihr Gesprächspartner aufgrund Ihres Lebenslaufes ein grobes Bild Ihrer selbst gemalt hat, über Ihre Befähigung im Einzelnen und Besonderen jedoch nicht Bescheid weiss. Er möchte von Ihnen hören, was Sie für diese Aufgabe qualifiziert, wie Sie den Job verstehen und weshalb Sie die Stelle wollen.

Wie Sie über Ihre Wirkung bestimmen

Verleugnen Sie bloss keine positiven Eigenschaften. Zeigen Sie, was in Ihnen steckt. Und halten Sie Ihre Ergebnisse und Erfolge nicht für selbstverständlich: denken Sie nicht, es sei doch nicht der Rede wert, was Sie bislang geleistet und bewirkt haben.

Zugegeben: es gehört einiges an Mut dazu, sich schnörkellos und selbstbewusst zu präsentieren. Doch Sie haben es in der 1:1-Gesprächssituation ganz alleine in der Hand: Sie kontrollieren, wie Sie auf Ihr Gegenüber wirken. Sie steuern, wie der Interviewer Sie wahrnimmt.

Am besten bleiben Sie sich selbst

Und keine falschen Hemmungen: Lassen Sie Ihr berufliches Ich in Erscheinung treten. Nehmen Sie eine professionelle Haltung ein. Sie brauchen nicht zu plappern und Sie müssen sich nicht verstellen. Es reicht, wenn Sie Sie selbst sind. Je authentischer Sie beim Sprechen sind, desto widerstandsfähiger sind Sie gegenüber kritischen Fragen. 

Fazit

Die Grundlage für Ihren Erfolg liegt weniger in einer angeborenen Zungenfertigkeit als vielmehr in einer den Introvertierten eigenen Stärke: sondern Sie sich ab, schliessen Sie sich in Ihrem Kämmerlein ein und erledigen Sie Ihre Recherche-Arbeit! 

Entwickeln Sie Ihre Selbstpräsentation auf Grundlage Ihres Lebenslaufs, achten Sie darauf, dass Ihre Schritte begründbar und nachvollziehbar sind und alles plausibel zusammenpasst. Schreiben Sie eine gute, konsistente, menschliche und arbeitsmarkttaugliche Geschichte. 

Kommen Sie schliesslich wieder raus und üben Sie Ihren Part fleissig ein, bis alles richtig sitzt und Sie sich reif für die Präsentation fühlen. 

Weitere kostenlose Tipps zum Vorstellungsgespräch finden Sie in diesem Artikel

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